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Die Stimmen Afrikas
bekommen Gewicht in
der WeltLiteratur

Den Literatur-Nobelpreis 2021 erhielt der tansanische
Autor Abdulrazak Gurnah »für seine Auseinandersetzung mit
den Auswirkungen des Kolonialismus und dem Schicksal der Flüchtlinge
im Spannungsfeld zwischen den Kulturen und Kontinenten« (aus der Begründung
der Schwedischen Akademie). Mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021
wurde die simbabwische Filmemacherin Tsitsi Dangarembga ausgezeichnet.

Kapverische Kinder machen mit allem, immer und überall gerne Musik (Foto: © Barbara Mesquita)

Kapverische Kinder machen mit allem, immer und überall gerne Musik (Foto: © Barbara Mesquita)

Andere Stimmen erheben sich auch aus dem luso­phonen Afrika – aus Angola, von denen vielleicht die be­kannteste und mit dem be­deu­tendsten Literatur­preis der portugiesisch­sprachigen Welt, Prémio Camões, aus­gezeichnete die von Pepetela ist. Auch Kap Verde hat einen Camões-Preis­träger hervor­gebracht: Arménio Vieira, der 2013 zu den Begründern der kap­verdischen Akademie der Geistes­wissen­schaften gehörte. Das Gedicht von José Luiz Tavares ver­mittelt einen Eindruck vom kultu­rellen Reichtum dieses Landes und und seinem Schicksal. siehe Weltwärts

Perpetela (Artur Carlos Maurício Pestana dos Santos) geboren 1941 in Benguela, engagierte sich nach dem Studium der Ingenieurs­wissenschaften und Soziologie 1958 bis 1961 in Lissabon, aktiv im Befreiungs­kampf Angolas und war nach der Unabhängig­keit Bildungs­minister. Romane: Mayombe (1980, gilt als Nationalepos von Angola); A Geração da Utopia (1992), A Gloriosa Família (1997), Predadores (2005).
Arménio Vieira, geboren 1941 in Praia, ist Journalist, Lyriker und Prosa­autor und lebt heute in Lissabon. Er ist der erste kap­verdische Autor, der 2009 mit dem Prémio Camões aus­gezeichnet wurde. Gemeinsam mit den für die Un­abhängig­keit Kap Verdes ein­tretenden Intel­lek­tuellen Mário Fonseca, Oswaldo Osório und Ovídio Martins gehörte Arménio Vieira der Geração Seló an. Nach der Un­abhängig­keit Kap Verdes von Portugal 1975 wurde er zu einem der Vor­reiter der modernen, uni­versalen, im Dialog mit der Welt­literatur stehenden kap­verdischen Literatur.
Zur Zeit noch liefer­bar ist der Roman Jaime Bunda, Geheim­agent (übersetzt von Barbara Mesquita). Der Hund und die Leute von Luanda (übersetzt von Inés Koebel) ist in der Reihe edition südliches afrika (esa) er­schienen und zu beziehen über die informations­stelle südliches afrika e.V. (https://www.issa-bonn.org/).

José Luiz Tavares

Brief an die Dichter meines Landes

Sie beten und arbeiten in den Katakomben
des Mysteriums, die Dichter meines Landes.
Stehen im Bunde mit der Metaphysik.
Sind treue Werktätige der Traurigkeit.
Beweinen das Unglück der Geschichte,
den glorreichen Brand von Rom
und selbst den ersten heiligen Aufschrei.
Sie umhüllen sich mit so vielen imaginären
Schmerzen, als reichten nicht
die wahren, die ihnen gibt die Welt.

Ihr des Schmerzes hohe Athleten,
Besitzer tränenreicher Talente,
Paradies oder Hölle sind nicht Gewerbe
für nur einen Tag. Wiegenlieder
und vollendete Klänge erbauen keine Städte.
Im Streit mit den Steinen, bis niedergerissen
das letzte Trugbild, erstickt die Harmonie,
keine Kraft mehr bleibt für Gesang oder Tränen.

Und indes die Welt, zahlt sie es heim?
Arme Verse, sie bewegen keine Kriege –
Eher lächeln sie, ziehen wütende Fratzen,
derweil weder Mitleid noch Zorn
vor der Erniedrigung schützen und der Fortschritt
behutsam sich seine Opfer sucht.

Ihr Ideengläubigen, die ihr nicht bewahrtet
Athen vor dem Untergang, ewiger Ruhm
gilt weit weniger als der Dank der Sonne
die sich ergießt über diese mageren dunklen
Felder. Herumfurzen und Geschrei
anzetteln ist sehr viel poetischer und
menschlicher, war doch seit jeher die Stille
eine gedankenlose Form des Todes.

Ihr tribunizischen Gefährten auf dem Altar
des Wortes, wenn denn die Zeit eine Wunde ist
und die Gabe unrein,
dann lasst besser die Peitsche knallen
oder schlagt Kapriolen in maßloser
Verzückung von Verdammten.

José Luiz Tavares wurde 1967 in Tarrafal auf der Insel Santiago ge­boren und hat in Portugal, wo er lebt, Literatur­wissenschaft und Philo­sophie studiert. Er ist Lyriker und wurde für sein dichte­risches Werk in Kap Verde, Brasilien und Portugal mit vielen Preisen aus­gezeichnet.