Anthologien-Reihe Weltwärts

Cover »Silvenius«

Arménio Vieira

Silvenius

Portugiesisch und Deutsch
Hrsg. und übersetzt
von Barbara Mesquita
Format: 13,5 × 23 cm
Klappenbroschur, 320 Seiten
ISBN 978-3-932005-77-0
LP 18,— € (D) 18,50 € (A) 22,– CHF

Cover »Angola entdecken«

Angola entdecken

Eine Anthologie

Hrsg. und übersetzt
von Barbara Mesquita
Format: 13,5 × 23 cm
Klappenbroschur, 170 Seiten
ISBN 978-3-932005-56-5
LP 18,— € (D) 18,50 € (A) 22,– CHF

Anthologien haben im Arachne Verlag eine Tradition in der Reihe LeseFest. Seit einigen Jahren richten wir den Blick auch weltwärts und finden ins­besondere im portugiesisch- und spanisch­sprachigen Afrika bedeutende Autoren und wichtige Themen.

Begonnen haben wir 2015 mit Angola entdecken!. Der Titel greift das Motto einer Bewegung junger Intel­lek­tueller im angolanischen Unabhängig­keits­krieg vor 40 Jahren auf, die Texte führen den Leser in weniger bekannte welten des kolo­nialen und nach­kolonialen Afrika.

Silvenius

Der kürzlich erschienene zweite Band ist dem 1941 in Praia geborenen Journa­listen, Lyriker und Prosa­autor Arménio Vieira gewidmet, dem ersten kap­verdi­schen Autor, der 2009 mit dem bedeu­tendsten Literatur­preis der portu­giesisch­sprachigen Welt, dem Prémio Camões, aus­ge­zeichnet wurde. Vieira trat an vorderer Front für die Unab­hängig­keit Kap Verdes ein und gehörte der Geração Seló an. Nach 1975 wurde er neben João Vário zu einem der Vor­reiter der modernen, uni­ver­salen, im Dialog mit anderen Autoren der Welt­literatur stehenden kap­verdi­schen Literatur. 2013 war er Mit­be­gründer der kap­verdi­schen Akademie der Geistes­wissen­schaften.

Autoren-Info

Barbara Mesquita

Barbara Mesquita M.A.

(geboren 1959 in Bremen) hat nach dem Abitur zwei Jahre in Portugal gelebt und anschließend an der Universität Hamburg Romanische Philologie, Germanistik, Politi­kwissenschaft und Journalistik studiert. Sie ist haupt­beruflich freie Literatur­übersetzerin und Autorin, Fach­übersetzerin und Konferenz­dolmetscherin für Portugiesisch und Spanisch. Sie wurde mit dem Förderpreis für literarische Übersetzung der Freien und Hansestadt Hamburg und mit Stipendien des Deutschen Übersetzer­fonds ausgezeichnet.

Barbara Mesquita lebt in Hamburg und Lissabon.

Bilder vom Literaturfestival auf der Insel Sal

Autoren auf dem Podium, in der Mitte die Repräsentantin des des Goethe-Instituts Susanne Sporrer und Arménio Vieira Autoren auf dem Podium, in der Mitte Susanne Sporrer und Arménio Vieira Arménio Vieira
Autoren on the road Autoren on the road, darunter der portugiesische Samarago-Preisträger Goncalo M. Tavares, der nigerianische Lyriker Niyi Osundare und sein vietnamesischer Kollege (aus Stuttgart) Autoren on the road Autoren on the road
Bilder vom Literaturfestival auf der kapverdischen Insel Sal, wo ›Silenius‹ von Barbara Mesquita präsentiert wurde Logo des Festivals Mundo do Sal

Angola entdecken!

»Lasst uns Angola entdecken!« hieß das Motto einer Bewegung junger Intellektueller im Freiheitskampf und kehrt jetzt 2015 zum 40. Jubiläum der angolanischen Unabhängigkeit in diesem Lesebuch wieder.

»Ausgewählt wurden Texte, die die Epochen der angolanischen Ge­schichte beleuchten und Eindrücke von der Vielfalt einer Litera­tur vermitteln, die engagiert, lebendig und bei aller Schwere der Themen, die sie behandelt, häufig humorvoll ist.« Barbara Mesquita

Straßenszenen aus Luanda

Straßenszene in Luanda Moderne Gebäude in Luanda Straßenszenen aus Luanda
Gebäude in Luanda Straßenszene in Luanda

Aus Rezensionen

40 Jahre – Glanz und Enttäuschung

»Glanz und Enttäuschung« ist der Titel der letzten Erzählung dieser sorgfältig zusammengestellten und großartig übersetzten Anthologie angolanischer Texte, die Barbara Mesquita im Sommer 2015 bei Arachne veröffentlicht hat. In der Erzählung von João Melo geht es um einen Guerillakämpfer, der sich weigert, den Gang der Geschichte mitzugehen und nach dem Sieg der Revolution tief ins Geschäft mit Korruption und Macht einzusteigen. Pepetela ist so ein Fall, der sich als ehemaliger Freiheitskämpfer früh kritisch und oft ironisch mit dem real- und postsozialistischen Gang der Verhältnisse auseinandergesetzt hat …

Ein kurzer Exkurs: Dass in Luanda derzeit eine Gruppe von Oppositionellen vor Gericht steht, denen vorgeworfen wird, mit der Lektüre von Domingos da Cruz und Gene Sharp einen Staatsstreich vorzubereiten, und der Richter nun angeordnet hat, jene Bücher zum Beweis laut im Gerichtssaal zu lesen, zeigt, wie nahe sich auch unter absurden Verhältnissen Literatur und das Leben sind. Eine Geschichte, die noch nicht geschrieben wurde.

Doch nun zur tatsächlichen Literatur: Meine Empfehlung ist, diese Anthologie erst einmal hinten aufzuschlagen, auf Seite 147 »Glanz und Enttäuschung« von Joäo Melo zu lesen, und sich dann langsam nach vorne zu tasten, von der Gegenwart in eine Vergangenheit, die ohnehin nie streng chronologisch verlief.

Zwischendurch kann der Blick in das Vorwort der Herausgeberin über Angolas Geschichte und Literaturgeschichte abschweifen, in dem schließlich auch der zunächst sperrig daherkommende Titel »Angola Entdecken!« erklärt wird, denn auch er bezieht sich auf Literatur, die Bewegung junger Intellektueller, die sich ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts auf die ästhetische Suche nach der Identität jenes Landes machten, das schließlich 1975 – vor ziemlich genau vierzig Jahren – seinen Status als unabhängiges Land erkämpfte, um anschließend zum Spielball von ideologischen Stellvertreterkriegen zu werden und in jüngster Vergangenheit zur Erdölkleptokratie.

Und schon wieder lappt die Besprechung des Buches ins Politische. Womöglich gibt es derzeit noch keine andere Perspektive (von Europa aus). Wenn Luandino Vieira seinerzeit für seine Texte (Fiktion, wohlgemerkt!) für Jahre in den Kerkern der Portugiesen landete und heute – unter ganz anderen Vorzeichen – ein Lesezirkel unter den Verdacht des Hochverrats gestellt wird, ist die Verquickung von Literatur und Politik weiterhin kaum zu vermeiden. Die Erzählungen in »Angola Entdecken!« sprechen genau diese Sprache …

Michael Kegler, in: nova cultura, 1. 12. 2015

Was wissen wir über Luanda, die teuerste Metropole der Weit?

Luanda, die Hauptstadt Angolas, ist laut Statistik die teuerste Stadt der Welt – vor Hongkong und Zürich. Wie bitte? Ein Viertel der Gesamtbevölkerung lebt hier, das sind ca. 6,4 Millionen Menschen, aber im Großraum Luanda könnten es geschätzte zehn Millionen Menschen sein. Angola ist auch die drittgrößte Volkswirtschaft Afrikas, nach Südafrika und Nigeria. In diesem Jahr feiert man den 40. Jahrestag der Unabhängigkeit.

Soweit die wenigen bekannten Fakten.

Wir wissen nämlich kaum etwas über Angola und seine Bewohner. Es ist sehr reich (Öl), sehr korrupt, hat mehr als 30 Jahre Bürgerkrieg erlebt, und das Gefälle zwischen Arm und Reich ist so enorm, dass es das normale Vorstellungsvermögen sofort sprengt. Das Verhältnis zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Portugal und der Kolonie hingegen hat sich inzwischen verkehrt: Viele arbeitslose Portugiesen suchen heute eine Beschäftigung in Angola, reiche Angolaner führen ein Luxusleben in Lissabon. Vermutlich ist das nicht die Rache der Kolonisierten, sondern einfach Ausdruck der grassierenden Korruption. Einige kulturelle Überlieferungen, vor allem aber die Sprache und die Literatur sind heute Bindeglied, das die lusophonen Länder (dazu zählen Brasilien, Mosambik und die Kapverden) pflegen, trotz aller Unterschiede …

Nach der Lektüre dieser exzellenten Anthologie hat der Leser das Gefühl, Angola ein wenig kennengelernt, vor allem aber Erzählungen von bei uns zu Unrecht unbekannten, großen Schriftstellern gelesen zu haben. Wäre unser Literaturbetrieb weniger eurozentristisch und nicht so angloamerikanisch dominiert, würden Pepetela oder Luandino Vieira im Kreis der großen Autoren der Gegenwart stehen.

Michi Strausfeld, in: www.literaturkritik.de, 25. 11. 2015

Texte, die eine gefühlte und erlebte Realität wiedergeben

Die thematische Gliederung, die der historischen Entwicklung des Landes folgt, bedeutet eine mehrfache Begegnung des Lesers mit Stil- und Erzählweisen einzelner Autoren … Frühe Kolonialzeit, Sklaverei und Sklavenhandel, Diamantenreichtum und Elendsviertel der Hauptstadt bestimmen die Texte der vorrevolutionären Zeit. Erwartungen und Illusionen, die vom Bürgerkrieg zerstört wurden, und Enttäuschungen der sozialistischen Phase sowie die schüchterne Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft erstellen den weiteren thematischen Rahmen, innerhalb dessen die Fabulierkunst der Autoren den Leser gefangen hält …

Es gibt viel zu entdecken in dieser Anthologie: das Land, seine Menschen, die Schriftsteller und ihre Erzähler, die sich unter vielerlei Gestalten Gehör verschaffen …

Die Texte stimmen eher melancholisch als fröhlich. Was Wunder bei einem Land, das sich dem mörderischen Kolonial- und Bürgerkrieg entwindet und auf die gerechte Verteilung seines Reichtums wartet …

Die Fragen, die die Autoren stellen, warten auf eine Antwort, eine menschliche Antwort, die das Unrecht vergessen macht und die der Schönheit des Landes entspricht.

Prof. Dr. Helmut Siepmann, Aachen in: DASP 165/2015

Die Autoren

Der Verband Angolanischer Schriftsteller, die União dos Escritores Angolanos (UEA) wurde nur einen Monat nach der Unabhängigkeit des Staates Angola gegründet und feierte 2015 ebenfalls sein vierzigstes Jubiläum. Die in dieser Anthologie vertretenen Autoren gehören bis auf wenige Ausnahmen der UEA an oder sind gar Gründungsmitglieder.

  • Benúdia
  • Cardoso
  • Carmo Neto
  • Soromenho
  • Henrique Guerra
  • Santos Lima
  • João Melo
  • Mena Abrantes
  • Nehone
  • Ondjaki
  • Pepetela
  • Rocha
  • Arnaldo Santos
  • Jacques Arlindo dos Santos
  • Luandino Vieira
Bericht in einer angolanischen Zeitschrift über unsere Anthologie

Bericht in einer angolanischen Zeitschrift über unsere Anthologie

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